Was ist ein Potentiometer?

Ein Potentiometer ist ein dreipoliger Widerstand mit einem gleitenden oder drehbaren Kontakt, der einen einstellbaren Spannungsteiler bildet. Es gehört zu den am weitesten verbreiteten elektronischen Bauelementen der Welt und kommt vom Lautstärkeregler im Audiobereich über Lichtdimmer bis hin zu industriellen Automatisierungssystemen, Automobilsensoren und medizinischen Geräten zum Einsatz.

Im Kern besteht ein Potentiometer aus einem Widerstandselement mit einem beweglichen Schleifer, der über dessen Oberfläche gleitet. Wird eine Spannung an die beiden äußeren Anschlüsse angelegt, greift der Schleifer einen Teil dieser Spannung ab, der proportional zu seiner Position ist. Dieses einfache Grundprinzip macht das Potentiometer zur universellen Lösung für manuelle und halbautomatische Einstellungen in nahezu allen Bereichen der Elektronikindustrie.

Potentiometer werden auf zwei grundlegende Arten verwendet. Die erste ist die des veränderbaren Widerstands (Potentiometer als Rheostat), bei der nur zwei Anschlüsse genutzt werden und das Bauelement den Stromfluss steuert. Die zweite – und deutlich häufigere – ist die als Spannungsteiler, bei der alle drei Anschlüsse verbunden sind und der Ausgang eine veränderliche Spannung liefert. Zu verstehen, welche Betriebsart Ihre Schaltung benötigt, ist der erste Schritt zur Auswahl des richtigen Bauelements.

So funktioniert ein Potentiometer

Bei einem Drehpotentiometer ist die Widerstandsbahn in einem Kreisbogen angeordnet, und der Schleifer rotiert mit der Welle über die Bahn. Bei einem Schiebepotentiometer ist die Bahn gerade und der Schleifer bewegt sich linear. In beiden Fällen ist das elektrische Verhalten identisch: Der Widerstand zwischen dem Schleifer und jedem der beiden Endanschlüsse ändert sich kontinuierlich mit der Position.

Der Zusammenhang zwischen Schleiferposition und Widerstand wird durch die Kennlinie (englisch: Taper) des Elements beschrieben. Eine lineare Kennlinie (in den meisten Herstellercodes als „B" bezeichnet) erzeugt einen Widerstand, der sich gleichmäßig mit dem Drehwinkel ändert – ideal für Spannungsteiler, Sensorrückkopplungen und Entzerrerschaltungen. Eine Audio- oder logarithmische Kennlinie („A") verdichtet den Widerstandsverlauf im unteren Bereich und ist für Lautstärkeregler optimiert, da sie das logarithmische Hörempfinden des menschlichen Ohrs nachbildet.

Haupttypen von Potentiometern

Drehpotentiometer

Drehpotentiometer sind die gebräuchlichste Bauform. Der Widerstandswert ändert sich durch Drehen einer Achse, typischerweise über einen Winkel von 270 bis 300 Grad. Sie sind kompakt, robust und in unzähligen Achs- und Gehäusevarianten erhältlich. Zu den typischen Anwendungen zählen Lautstärkeregler, Temperaturregler, Einstellpotentiometer in Netzteilen und Bedienelemente für Industrieanlagen.

Schiebepotentiometer

Bei Schiebepotentiometern bewegt sich der Schleifer linear entlang einer geraden Widerstandsbahn. Diese Bauform eignet sich für Anwendungen, in denen eine lineare Bedienbewegung intuitiver ist – etwa in Mischpulten, Beleuchtungssteuerungen oder Gleichlaufreglern. Schiebepotentiometer bieten oft eine sehr hohe Auflösung und werden häufig in professioneller Audio- und Studioausrüstung eingesetzt.

Trimmer-Potentiometer

Trimmer sind kleine, meist einstellbare Potentiometer, die mit einem Schraubendreher justiert werden und nach der Kalibrierung in der Regel unverändert bleiben. Sie werden direkt auf Leiterplatten montiert und dienen zur Werkseinstellung von Spannungen, Strömen und Frequenzen. Typische Anwendungen sind Referenzspannungsabgleiche, Frequenzabgleiche in Oszillatoren und Empfindlichkeitseinstellungen in Sensorschaltungen.

Mehrgang- und Präzisionspotentiometer

Für Anwendungen, die eine besonders feine und wiederholbare Einstellung erfordern, gibt es Mehrgangpotentiometer mit Schneckengetriebe sowie Präzisionspotentiometer mit enger Toleranz und hoher Linearitätsgüte. Diese Bauteile finden sich in Messtechnik, Laborgeräten und Regelungssystemen, in denen Genauigkeit über Komfort geht.

Wichtige elektrische Kennwerte

Bei der Auswahl eines Potentiometers müssen mehrere elektrische Kennwerte berücksichtigt werden. Der Nennwiderstand (z. B. 10 kΩ) gibt den Gesamtwiderstand zwischen den beiden äußeren Anschlüssen an. Die Toleranz beschreibt die zulässige Abweichung des tatsächlichen vom Nennwiderstand – typische Werte liegen zwischen ±5 % und ±20 %. Die Nennbelastbarkeit gibt an, wie viel Leistung das Bauelement dauerhaft verarbeiten kann, ohne dass die zulässige Oberflächentemperatur überschritten wird. Hinzu kommen die Spannungsfestigkeit, der Einstellgeräusch bei der Bewegung des Schleifers sowie der Temperaturkoeffizient, der die Widerstandsänderung bei Temperaturschwankungen beschreibt.

Anwendungen in der Industrie

Potentiometer sind in der Industrie allgegenwärtig: in Servosystemen als Positionsgeber, in Maschinensteuerungen als Sollwertgeber, in Schweiß- und Schneidgeräten zur Stromregelung sowie in Prüfständen zur Kalibrierung. Auch im Automobilbereich finden sich Potentiometer in Drosselklappensensoren, Sitzverstellungen und Lenkwinkelsensoren – Anwendungen, die hohe Zuverlässigkeit und enge Toleranzen verlangen. In der Medizintechnik dienen sie zur Einstellung von Dosierpumpen und in der Luftfahrt zur Kalibrierung von Anzeigeinstrumenten. Überall dort, wo ein Bediener oder ein automatisches System einen Wert kontinuierlich verändern muss, ist das Potentiometer die wirtschaftlichste Lösung.

Auswahlhilfe: Welches Potentiometer passt zu Ihrer Anwendung?

AnwendungEmpfohlene BauformEmpfohlene KennlinieTypischer Widerstand
Lautstärkeregler (Audio)DrehpotentiometerLogarithmisch (A)10 kΩ – 50 kΩ
Spannungsteiler / ReferenzDreh- oder TrimmerLinear (B)1 kΩ – 100 kΩ
PositionssensorDrehpräzisionspotentiometerLinear (B)5 kΩ – 20 kΩ
Mischpult-FaderSchiebepotentiometerLinear (B)10 kΩ – 100 kΩ
Werkseinstellung auf PlatineTrimmerLinear (B)100 Ω – 1 MΩ
Feinjustierung (Präzision)MehrgangpotentiometerLinear (B)1 kΩ – 100 kΩ

Häufige Fragen zu Potentiometern

Warum gibt es lineare und logarithmische Potentiometer?

Die lineare Kennlinie erzeugt einen Widerstand, der sich proportional zum Drehwinkel ändert – ideal für technische Regelaufgaben. Die logarithmische Kennlinie wurde für die Nachbildung des menschlichen Hörempfindens entwickelt: Das Ohr nimmt Lautstärke logarithmisch wahr, daher muss ein Lautstärkeregler ebenfalls logarithmisch arbeiten, um eine subjektiv gleichmäßige Lautstärkesteigerung zu erzeugen.

Kann ein Potentiometer als Sensor verwendet werden?

Ja. Wenn eine feste Spannung an die äußeren Anschlüsse gelegt wird, liefert der Schleifer eine zur Position proportionale Ausgangsspannung. So lässt sich eine Dreh- oder Linearbewegung in ein elektrisches Signal umwandeln – die Grundlage vieler Positions- und Winkelsensoren in Industrie und Automobiltechnik.

Was bedeutet der Temperaturkoeffizient?

Der Temperaturkoeffizient beschreibt, wie stark sich der Widerstandswert bei Temperaturänderungen verändert, üblicherweise in ppm/°C. Für Präzisionsanwendungen sind Bauelemente mit niedrigem Koeffizienten wichtig, damit der eingestellte Wert über den gesamten Temperaturbereich stabil bleibt.

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